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Ich erinnere mich an einen sehr heißen Sommertag, eine Sitzung des Armutsnetzwerks stand bevor. Ich war in die Vorbereitungsarbeiten vertieft, als Walther im Arbeiterkammer-Sekretariat eintrudelte: „So ein hektischer Alternativer mit Turnpatschen, im T-Shirt und total verschwitzt steht draußen im Vorzimmer, soll ich ihn hereinschicken,…?“, fragte die sichtlich aufgeregte Mitarbeiterin, die zu mir nach hinten ins Büro lief, und, noch ehe das ausgesprochen, stand bereits Walther hinter ihr, laut lachend, die Hände hochgerissen und mit ebenso lautstarker Begrüßungsagitation meinte er: „Servus Heinz, alter Kämpfer, ich bin früher da, weil ich mit´n Radl nach Klagenfurt gefahren bin.“ Ich kopfschüttelnd: „Nein, das darf nicht wahr sein!“ Er: „Ja, weißt wie super.“ Und - wiederholtes Lachen. Mit solchen Ungewöhnlichkeiten konnte der Walther schon gelegentlich überraschen. Walther war mehr als ein langjähriges, engagiertes Mitglied des Vorstandes des Kärntner Armutsnetzwerkes. Er war im Jahre 1996 einer der Gründungsväter dieser Sozialinitiative, viele weitere hat er in Kärnten aufgebaut oder begleitet. Ja, man kann durchaus behaupten, dass Walther ein Vordenker, ein architektonischer Mitgestalter des Netzwerkes war, einer der ersten Stunde. Er galt immer als jene Stütze im Organisationsgefüge - der einzige übrigens, der ununterbrochen in dieser Funktion tätig war - die für Kontinuität sorgte. Nicht selten rief er zu Wachsamkeit und Vorsicht auf und er galt als lebendiges Warnsignal, das vor unüberlegten Anbiederungen an populistischen Rattenfängern-Mentalitäten warnte. „Wäre es möglich, würde ich 24 Stunden arbeiten“, meinte er einmal in einem persönlichen Gespräch. Freizeit war bei ihm zugleich Arbeitszeit, unermüdliches Tun, nicht selten hektisches Werken im Dauereinsatz. Und das in seinem unverkennbaren Stil, authentisch in seinem Handeln, gelegentlich im „Black-Block-Look“ , stets mit kräftiger – oft warnender – Stimme, gekoppelt mit amüsanten Lachzugaben, in denen sich sein gerechter Zorn gegen Entgleisungen der ökonomischen Verschwendungsideologie, hier bei uns und im globalen Dorf, versteckte oder entlud. In seinem vielseitigen Wirken gegen Armut und soziale Ausgrenzung - als Moderator, Referent, Meinungsbildner, Veranstaltungsplaner, Textverfasser, E-Mailer, Autor, Agitationsredner, Journalist … kurzgefasst, als ein „multifunktionales Denk- und Aktionslaboratorium“ - verschaffte er den Ideen jenen Raum, die zu vernunftorientiertem Aktionismus im öffentlichen Diskurs führten. Seine Gegenthesen zum entfesselten Raubtierkapitalismus, in dem Konkurrenz und Raffgier das Maß aller Dinge sind, untermauerte er vielfach mit Metaphern. Etwa mit jener des antiken Königs Midas, der zu verhungern drohte, weil sein Wunsch in Erfüllung ging, dass sich alles, was er berührte, zu Gold verwandelte. Spätestens als sich Brot und Braten in funkelndes Gold verwandelten erkannte Midas nämlich, wohin ihn seine Verblendung, in der Gier nach Reichtum, geführt hatte. Solche Untermauerungen finden sich in Walthers zahlreichen Publikationen. Wir bedauern den schmerzhaften Verlust eines Vielseitigen, eines Aktivisten, eines permanenten Aufklärers, eines Lobbyisten für die sozial Schwächeren, der in seiner für ihn typischen Lebendigkeit immer wieder soziale Schieflagen anprangerte. Er verfolgte nachhaltig das Modell eines solidarischen und gerechten Gemeinwesens. Seine sozialen Fantasien galten einer ökologischen Weltgesellschaft, die sich vom Joch der Lohnarbeit befreit und den ökonomischen Wachstumsirrweg überwindet. Walther war für mich die perfekte Mischung aus intellektueller Redlichkeit, scharfem Verstand, impulsiver-humoristischer Agitation und der nötigen Nachsicht bei menschlichen Schwächen! Diese nachträgliche Würdigung soll uns allen, den Angehörigen – vor allem dir Reinhilde, euren Kindern Marlies, Wolfgang und Thomas, seiner Mutter Luise und dem Bruder Hermann – Kraft und Energie für Zeit der Trauer geben. Mit Walther verlieren wir einen wichtigen Wegbegleiter, einen der angetreten ist, der Ungerechtigkeit den Kampf anzusagen und der die tätige Solidarität eingefordert und gelebt hat. Walther du wirst uns in freundschaftlicher Erinnerung bleiben, du warst mir stets ein guter Freund!
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