Kärnten ist noch immer reich an Armut

Working Poor Workshop für Betriebsräte/innen

Die angehenden oder bereits aktiven Betriebsräte und -rätinnen sollen ausgehend von ihrem eigenen Wissen über Armut, Arbeitslosigkeit, Einkommenshöhe erarbeiten, was unter Working Poor zu verstehen ist, welche Urs...

Armut hat viele Gesichter wird in Medienberichten, Themenbroschüren oder bei Wohltätigkeitsveranstaltungen häufig als
scheinbar triviales Bonmot eingesetzt, um die gegenwärtigen Erscheinungsformen einer neuen Armut, Ungleichheit und
sozialen Ausgrenzung zu thematisieren. Diese phrasenhafte Beschreibung eines höchstproblematischen Gesellschaftszustandes
gewinnt erst durch den Versuch einer Definition von Armut an Bedeutung. Zum einen umfasst diese journalistische Banalität
nämlich die global völlig unterschiedlichen Erscheinungsformen von Armut, während zum anderen auch die multi-dimensionalen
Auswirkungen auf das Leben von Betroffenen miteinbezogen werden.

Das Bild von Armut hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Wir alle kennen die vertrauten Gesichter: Sie gehören Menschen, über die gesagt wird, dass sie es „irgendwie nicht geschafft haben“. Es sind Obdachlose, Haftentlassene, Menschen mit Alkohol- oder Drogenproblemen und vielfach ältere Menschen.

Die neuen Erscheinungsformen von Armut oder Armutsgefährdung betreffen immer größere Bevölkerungsgruppen. Armut und soziale Ausgrenzung ist längst eine Massenerscheinung. Je nach Auslegung und Definition sind in österreichischen Haushalten bis zu 1,2 Millionen Menschen von Armutsgefährdung betroffen. Allein in Kärnten leben rund 83.000 Menschen (14,9 Prozent der KärntnerInnen) unter der Armutsgrenze – vorwiegend Erwerbs(Arbeits)-lose, AlleinverdienerInnen, AlleinerzieherInnen, Menschen in strukturschwachen ländlichen Regionen, MigrantInnen, PensionistInnen sowie Menschen, deren Qualifikationen am Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt sind. Katastrophalerweise sind infolgedessen immer mehr Kinder und Jugendliche von Armut betroffen.

Armut und soziale Ausgrenzung trifft immer häufiger Menschen, denen es trotz Erwerbstätigkeit nicht gelingt das Einkommen ihrer Haushalte über die Armutsgefährdungsschwelle zu heben. Etwa 253.000 Menschen beweisen, dass selbst bezahlte Erwerbstätigkeit keinen garantierten Schutz vor Armut und Armutsgefährdung bietet. So gelten derzeit in Kärnten rund 18.000 ArbeitnehmerInnen als „working poor“. Die zunehmend auftretenden atypischen und prekären Beschäftigungsverhältnisse sind die vorwiegende Ursache für Armut trotz Erwerbstätigkeit. Etwa 8 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 20 und 64 Jahren sind von „working poor“ betroffen. Nach Angaben der Österreichischen Armutskonferenz gelten 91.000 Personen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen als „manifest arm“.

Die Feminisierungsthese von Armut besagt, dass Armut weiblich ist. Nach Angaben von Amnesty International sind 70 Prozent der 1,2 Millarden in Armut lebenden Menschen Frauen. Besonders Frauen sind von Armut uns sozialer Ausgrenzung betroffen.

Übermäßige Verschuldung drängt viele an den Rand des Existenzminimums. Frauen geraten, etwa nach einer Scheidung, noch schneller in die Armutsfalle. Erwerbslosigkeit, oft verbunden mit gesundheitlichen Problemen, stellt das größte Armutsrisiko dar.

Jedes fünfte Kind lebt in einem armutsgefährdeten Haushalt, kinderreiche Familien haben es oft am schwersten. Geringe Bildung erhöht die Armutsgefährdung. So haben Menschen, die nur einen Pflichtabschluss haben ein Armutsrisiko von 18 Prozent.

Armutsgefährdete Menschen können sich oft grundlegende Bedürfnisse, wie ihre Wohnung angemessen zu heizen, nicht leisten. Nach einer Beurteilung sozialer Ausgrenzungsmerkmale sind etwas 740.000 Menschen in Österreich von „primären Benachteiligungen in der Lebensführung“ betroffen, etwa 1,87 Millionen Menschen leben in Haushalten, die sich keinen gemeinsamen Urlaub leisten können und rund 1,3 Millionen Menschen leiden unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder sind chronisch krank.