Vermögensverteilung in Österreich

Interpretation der Ergebnisse der Houshold Finance and Consumption Survey 2014

Ursachen der gegenwärtigen Situation

Armut ist weit mehr als ein materielles Problem. Die Europäische Union definiert beispielsweise jene Haushalts- und Personengruppen als arm, welche „über so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen,...

Die Österreichische Nationalbank hat in ihrem Bericht über die Ergebnisse der zweiten Befragung der Household Finance and Consumption Survey zusammengefasst.
Hier finden Sie die wichtigsten Informationen für Österreich zusammengefasst.

Das reichste 1% der österreichischen Haushalte besitzt ein Viertel des Gesamtnettovermögens.
Die reichsten 5% besitzen 43,4% des Nettovermögens und die reichsten 10% 55,5% des Nettovermögens.
Wie viel bleibt also für die untere Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher?
Die untere Hälfte besitzt gerade einmal 3,2% des gesamten Nettovermögens in Österreich!

  • In Österreich gibt es ein großes Wissensdefizit darüber, wie hoch das tatsächliche Vermögen der Reichen ist. Statistische Erhebungen auf Basis von Haushaltsbefragungen können nur bedingt valide Daten produzieren. So ergibt das gesamte Nettovermögen lt. HFCS eine viel geringere Summe als es z. B. von privaten Versicherungen oder Wirtschaftsmedien kommuniziert wird.
  • Dennoch lässt sich sagen, dass das Vermögen in Österreich ebenfalls sehr ungleich verteilt ist. Unterteilt man die österreichische Bevölkerung in Dezile (10%-Gruppen) zeigt sich, dass es am oberen Rand zu einer markanten Konzentration von Vermögen kommt, und auch die obersten 10% durch hohe Ungleichheit gekennzeichnet sind. So besitzt das reichste Prozent ein Viertel des Gesamtvermögens ins Österreich, die reichsten 10% bereits mehr als die Hälfte des Nettovermögens der Österreicherinnen und Österreicher.
  • Die mediale Berichterstattung sowie die Wirtschaftspolitik fokussieren sich auf die sogenannte gesellschaftliche Mitte. Der Großteil der Bevölkerung ordnet sich dieser „Mitte“ zu, so fühlen sich die vermögenärmeren Haushalte reicher als sie es tatsächlich sind und die vermögenreicheren Haushalte glauben, dass es noch viel reichere als sie selbst gibt und sehen sich ebenfalls in der Mitte. Daraus lässt sich ableiten, dass Forderungen nach z. B. Vermögenssteuern, Erbschaftssteuer etc. auch von den vermögenärmeren Schichten abgelehnt werden, weil sie befürchten von diesen Maßnahmen betroffen zu sein, obwohl sie es gar nicht sind.