Equal Pay Day 2021

Einkommensunterschied von 18,6 Prozent in Kärnten

04. 10. 2021

Presseaussendung der Armutskonferenz

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01. 11. 2021

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Noch immer verdienen Frauen weniger als Männer. Der Equal Pay Day kennzeichnet den Tag, ab dem Frauen unentgeltlich arbeiten: Das heißt, dass Männer bis zu diesem Tag genauso viel verdienen wie Frauen im ganzen Jahr. Dieser fällt 2021 in Kärnten auf den 25. Oktober. Der diesjährige Gender Pay Gap, der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied, liegt in Kärnten bei 18,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Lücke in Kärnten um 0,4 Prozentpunkte verringert. Am kleinsten ist die Einkommensschere mit 12,8 Prozent in Wien, am größten ist sie in Vorarlberg (26,2 Prozent). In Wien wird der Equal Pay Day erst am 15. November erreicht, in Vorarlberg war es bereits am 27. September soweit.

900 Euro brutto entgehen den Frauen und ihren Familien im Schnitt jeden Monat durch den Einkommensunterschied. Über das ganze Jahr hinweg fehlen damit in der Einkommenskasse 12.500 Euro. Rechnet man den Unterschied auf ein durchschnittliches weibliches Erwerbsleben von 34,5 Jahren hoch, beträgt der Verlust stattliche 435.000 Euro. Es geht also um die Größenordnung eines Einfamilienhauses. Man könnte also zurecht von einer haushohen Ungerechtigkeit sprechen.

Die Gründe für den Einkommensunterschied sind vielfältig:

  • Es beginnt schon bei der Ausbildung: Nur ein Drittel aller Lehrstellen sind mit jungen Frauen besetzt. Mädchen wie Burschen, die sich für einen für ihr Geschlecht untypischen Beruf entscheiden, haben es oft extrem schwer, eine entsprechende Lehrstelle zu finden.
  • Weiblich dominierte Branchen wie Pflege, Kinderbetreuung oder Einzelhandel werden weit schlechter bezahlt als männlich dominierte, etwa technische Sparten. Nach einer Lehre liegt das Einstiegsgehalt im Einzelhandel laut Kollektiv beispielsweise bei 1.640 bis 1.740 Euro brutto. Im Bereich Elektrotechnik liegt es je nach Modul bei 2.130 bis 2.480 Euro brutto
  • Frauen in Führungspositionen sind leider noch immer selten. Oft bestimmt in der Praxis das Geschlecht und nicht die Qualifikation über den Aufstieg: Obwohl Frauen 47 Prozent der Erwerbstätigen stellen und höhere Bildungsabschlüsse als Männer vorweisen können, erreicht ihr Anteil unter den Vorständen der börsennotierten Unternehmen lediglich 7 Prozent.
  • Frauen leisten deutlich mehr unbezahlte Arbeit. Erwerbstätige Frauen arbeiten im Schnitt 27 Stunden in der Woche unbezahlt im Haushalt, in der Kinderbetreuung und in der Pflege. Bei Männern sind es nur rund 16 Stunden. Das hat zur Folge, dass Frauen nicht nur weniger Freizeit oder Zeit für sich haben. Die Mehrbelastung hat gesundheitliche Auswirkungen, hat negative Folgen für Beruf, Karrierechancen und soziale Absicherung.
  • Vor allem sind es Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, wenn ein Kind kommt. Danach arbeiten sie dann häufig nur in Teilzeit. Oft, weil ausreichende Kinderbetreuung und -bildung sowie schulische Nachmittagsbetreuung noch immer fehlen.

Maßnahmen gegen Einkommensunterschiede:

Um die Einkommensunterschiede zu verringen benötigt es unter anderem eine Transparenz bei den Einkommen. Hierbei ist eine Verbesserung der Einkommensberichte und informativere Stelleninserate wesentlich. Eine gute und umfassende Kinderbetreuung und Elementarbildung sowie ein ausreichendes Angebote an Ganztagsschulen wird zudem gefordert. Wir brauchen ein Steuer- und Sozialsystem, das partnerschaftliche Teilung begünstigt und junge Menschen fördert, sich für den richtigen Beruf zu entscheiden – auch wenn dieser für die Geschelchterrolle untypisch ist

Mehr Informationen unter:

https://www.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/arbeitundsoziales/frauen/Warum_gibt_es_eine_Einkommensschere.html

https://www.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/wirtschaft/wirtschaftkompakt/gleichstellung_und_frauen/Lohntransparenz_im_Betrieb.html

Grafik © Land Kärnten