Unter fremdem Himmel

Gesprächsrunde zum Thema "Die GastarbeiterInnen - Ihre Leistungen - Unsere gesellschaftliche Anerkennung"

31. 01. 2017

Sprache & Bilder über Armut - politische, gesellschaftliche und mediale Diskurse

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Vom 19. Jänner 2017 bis 10. Februar 2017 machte die Ausstellung “Unter fremdem Himmel. Aus dem Leben der GastarbeiterInnen des ehemaligen Jugoslawien” Halt im Architekturhaus Kärnten.
Am 1. Februar 2017 diskutierten Dr.in Viktorija Ratkovic (AAU), Joachim Hainzel (Verein JUKUS) und Univ.-Prof. Dr. Peter Gstettner (AAU) über die Rolle von ArbeitsmigrantInnen.

Im Anschluss an die Kuratorenführung am 1. Februar 2017 fand die Gesprächsrunde zum Thema “Die “GastarbeiterInnen” – Ihre Leistungen – Unsere gesellschaftliche Anerkennung” statt.

Joachim Hainzel, Viktorija Ratkovic und Peter Gstettner beleuchteten das Thema aus verschiedenen Perspektiven.

Viktorija Ratkovic streicht besonders die Rolle der Migrantinnen hervor, die das Frauenbild der ÖsterreicherInnen in den 1960er und 1970er-Jahren durcheinander brachten. „Während die Österreicherinnen noch die Einwilligung der Ehemänner benötigten, um einer Lohnarbeit nachzugehen, waren jugoslawische Frauen in verschiedenen Branchen selbstbestimmt und emanzipiert berufstätig.“ Sie verweist auf zahlreiche Inserate von Unternehmen, die den Frauen die Erwerbstätigkeit schmackhaft machen wollten und wohl auch der Beruhigung der Ehemänner dienen sollten. Trotz allem muss auch auf die Schattenseiten der Arbeitsbedingungen hingewiesen werden: ArbeitsmigrantInnen wurden auch ausgebeutet, ihrer sozialen Rechte beraubt und diffamiert.

Joachim Hainzel beleuchtet besonders kritisch den Begriff des „Gastarbeiters“: zum einen beschreibt die Bezeichnung nur die Sicht des anwerbenden Landes, während die Perspektive der Menschen, die zum Arbeiten in ein anderes Land gehen keinen Platz findet. Zum anderen handelt es sich nicht um Gäste im eigentlichen Sinne. Der Begriff verweist auch darauf, dass ursprünglich die Intention der österreichischen Arbeitsmarktpolitik darin lag, dass die Arbeitskräfte nur befristet in Österreich arbeiten sollten. „Gastarbeiter“ wurden lediglich wegen ihrer Arbeitskraft angeworben, alles weitere war nicht von Interesse.

Peter Gstettner weist auf die Einseitigkeit in der Geschichte der Arbeitsmigration hin: Einerseits prägten WanderarbeiterInnen die Geschichte der europäischen Handwerkskunst wie Bau, Malerei, Textilverarbeitung aber auch in der Landwirtschaft. Andererseits wanderten auch ÖsterreicherInnen in den Nachkriegsjahrzenten (und auch heute noch) der Arbeit wegen in westliche Bundes- und Nachbarländer. Der Begriff des „Gastarbeiters“ findet in diesem Zusammenhang aber keine Anwendung.

Abschließend wurde noch über Integration und Integrationsmaßnahmen gesprochen. Gstettner über Muttersprachenunterricht in den 1970er-Jahren: Damals wollte man damit erreichen, dass den Kindern die Rückkehr in die Heimatländer ihrer Eltern nicht so schwer fällt. Heute wäre es eine gewünschte Maßnahme, um Mehrsprachigkeit in Wort und Schrift zu fördern. Ratkovic zeigt auf, dass viele der damaligen Forderungen der ArbeitsmigrantInnen wie z. B. Deutschkurse heute umgesetzt, jedoch argumentativ gegen MigrantInnen verwendet werden.

Hainzel weist auf mögliche zukünftige Fluchtbewegungen aufgrund von Klimaveränderungen hin und stellt die Frage in den Raum, ob und wie sich die Einstellungen und stereotypen Klischees über die BewohnerInnen von beliebten Urlaubsländern wohl ändern werden, wenn ihnen ein Überleben in ihren Herkunftsländern nicht mehr möglich ist und sie nach Europa oder Nordamerika migrieren müssen.

Weitere Infos zur Ausstellung unter www.jukus.at